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Franka Hitzing

Welche Prioritäten setzt Ihre Partei bei der weiteren Entwicklung des Tourismus in Thüringen?

Der Tourismussektor ist einer der wichtigsten Dienstleistungs- und Wachstumsbranchen mit zahlreichen Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Mit ca. 70 000 Vollzeitbeschäftigten und einem Umsatz von ungefähr 1,7 Milliarden € pro Jahr nimmt diese Branche einen Spitzenplatz in der wirtschaftlichen Bedeutung für Thüringen ein. Die Automobilindustrie schafft es zum Beispiel gerade auf rd. 25 000 Vollzeitbeschäftigte. Daher muss die Politik auch an den Anforderungen und Interessen des Tourismusmarktes ausgerichtet werden. Wir brauchen ein nachhaltiges und schlüssiges Tourismuskonzept, das der Stagnation der Übernachtungszahlen entgegenwirkt und neue Anreize für die touristische Weiterentwicklung besonders strukturschwacher Regionen bietet.

Als gastfreundliches Land kommt es darauf an nationalen und internationalen Gästen hohe Service- und Dienstleistungsqualität zu bieten. Deshalb müssen die Sperrzeiten in der Außengastronomie flexibel und ortsbezogen, z.B. für Biergärten, von 22.00 Uhr auf 24.00 Uhr verlängerbar sein. Zur Verbesserung der Rahmenbedingungen in der Tourismusbranche ist zudem die bisherige Sommerferienregelung auf 90 Tage auszudehnen. Das ist familienfreundlich und sichert Arbeitsplätze im Tourismus. Zur Verbesserung der Mobilität der Touristen gilt es faire Wettbewerbsbedingungen für alle Verkehrsanbieter zu schaffen.

Die FDP Thüringen setzt sich für die Bündelung und Vereinfachung von Verbands- und Vermarktungsstrukturen ein. Thüringen teilt viele attraktive Regionen, wie z. B. die Rhön, den Harz, das Kyffhäuser-Gebiet oder das Vogtland mit anderen Bundesländern. Das neue Tourismuskonzept muss die jeweilige touristische Region in den Vordergrund rücken, aber die "Marke Thüringen" mit integrieren. Dies erfordert eine verstärkte überregionale Abstimmung und Kooperation mit den Regionen der angrenzenden Bundesländer. 

Die Außenwahrnehmung der "Marke Thüringen" muss verbessert werden. Die Tourismuspolitik im Land leidet noch immer unter der regionalen Zersplitterung. Es gilt ein einheitliches Vermarktungskonzept stärker zu entwickeln und durchzusetzen. Das führt im Ergebnis zur Verbesserung der Vermarktung des Freistaates außerhalb seiner Landesgrenzen (u.a. jährlich wiederkehrend zur Grünen Woche, der weltgrößten Verbrauchermesse).Eine sinnvolle Vernetzung von Angeboten im Bereich der Natur und der Kultur erschließt weitere Möglichkeiten der Steigerung touristischer Attraktivität. Bessere Marketingstrategien, die gemeinsam mit Hotels und Beherbergungen entwickelt werden sowie die Popularisierung der "Thüringencard" werden sich positiv auf die Verweildauer der Touristen auswirken. Alle im Tourismus engagierten Veranstalter sollten zum Angebot von "Paketen" animiert werden, die einen "Rund um Thüringen" - Effekt erzeugen. Auf diesem Wege lassen sich kulturhistorische Sehenswürdigkeiten mit kulturellen Höhepunkten, aber auch mit den Schönheiten der Natur sinnvoll verbinden - z. B. Stadtbesichtigung von Weimar mit abendlichen Volksfest in Rudolstadt und Wandern auf dem Rennsteig am folgenden Tag. Hierbei gilt es auch die Entwicklungen im Bereich Wellness-, Konferenz- und Familientourismus zu berücksichtigen. Auch hier kann eine einheitliche Strategieerarbeitung vorhandene Ressourcen sinnvoll bündeln. 

Strategische Entscheidungen im Bereich der Kulturpolitik sowie im Bereich des Kulturmanagements bedürfen konkreter Daten und Fakten dieses Sektors der Wirtschaft. Das rechtzeitige Erkennen von aktuellen Trends, analytisch ermittelte Ergebnisse vom "Tourismusverhalten" der Gäste und entsprechende Statistiken unterstützen zum einen die Planung der Anbieter, deren Kreativität bei der Gestaltung der Angebote, und zum anderen aber auch die Sicherheit bei kulturpolitischen Entscheidungen. Deshalb setzt sich die Thüringer FDP für die Schaffung eines Kulturwirtschaftsberichtes ein, der regelmäßig veröffentlicht wird und somit allen Entscheidungsträgern in Kultur, Wirtschaft und Politik zur Verfügung steht.