Kinder im Abenteuerland
Das dürfte selbst die Großwertherschen überraschen: Ihre alte Schule ist ein Prestigeobjekt. Das Haus in der Dorfstraße wird eine moderne Kindertagesstätte mit Krippe. Schon der bauliche Wandel ist beachtlich. Gar beispiellos ist das pädagogische Konzept. Die Kita wird ein Bewegungskindergarten.
Das Bauwerk existiert seit 95 Jahren. Erweitert und umfangreich saniert wurde die einstige Schule noch einmal 1978. Seitdem hat sie sich äußerlich nicht verändert. Aber die Kinder sind verschwunden. Das Haus steht seit neun Jahren leer.
Nun wird den alten Mauern neues Leben eingehaucht. Die Fachleute vom Ingenieurbüro Hartung aus Appenrode lassen hier ein 5-Gruppen-Haus entstehen. Für die Krippenkinder ist das Erdgeschoss vorgesehen. Auf die 3- bis 7-Jährigen warten dann die Räume im ersten und zweiten Obergeschoss. Insgesamt kostet dieser Umbau 1,155 Millionen Euro. Die Gemeinde Werther will davon 451 871 Euro finanzieren. Für den Rest sorgen Fördermittel aus den Töpfen des Bundes und des Landes.
Verbaut wird das Geld in drei Abschnitten. Die erste Etappe soll schon in vier Wochen enden. Dann sind Dach und Fassade saniert, der Keller trockengelegt, das Gebäude komplett entkernt, die Fenster erneuert und ein zweites Trep- penhaus eingebaut. Im nächsten Jahr folgt der zweite Abschnitt mit Elektroinstallation, Heizungs- und Sanitäranlagen, Mauerwerksarbeiten und dem Einbau eines Küchenaufzuges. Teil drei des Umbaus ist für 2011 geplant. Die großzügige Außenanlage mit Spielplatz, Kletterburg, Vorschulgarten und grünen Wiesen soll dem Projekt die Krone aufsetzen. "Wir wollen den Kindergarten zum Abenteuerland machen", blickt Kita-Chefin Veronika Hartleb voraus. Innen soll jeder Raum ein anderes Thema haben - fantasievoll wie im Märchen, spannend wie auf einer Piraten-Insel, lehrreich wie im Buchstabenland. Und alles bewegt sich. Auch in der eigenen Turnhalle, die täglich genutzt werden soll.
"Bis jetzt liegen wir im Plan", sagt Bürgermeister Hans-Jürgen Weidt. "In einem Monat sind wir von außen chic", unterstreicht die Architektin Katja Hartung, "dann ackern wir innen weiter."
"Ein wunderschönes, einmaliges Projekt", schwärmt Weidt. "Wir sind begeistert." Da müssen andere Vorhaben in Werther erst einmal in den Hintergrund treten. Die meisten Bürger haben dafür Verständnis. Am Bedarf mangelt es ebenso nicht. Weidt rechnet fest damit, dass die 75 Plätze stets mit Kindern belegt werden können. Er hat auch schon den Tag der Einweihung fest im Visier: den 1. Juni 2011. Ein Kindertag.
Vielleicht schaut dann auch Cornelia Pieper (FDP) wieder vorbei. Gestern war die stellvertretende Vorsitzende des Bildungsausschusses des Bundestages bei ihrem Besuch sehr beeindruckt von dem, was in Werther geleistet wird: "Eine fantastische Investition." Nur mit Thüringens Vorschul-Bildungspolitik ist die stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP nicht einverstanden. Den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz müsste es schon ab Vollendung des ersten Lebensjahres geben. Und dass Eltern zweijähriger Kinder Geld bekommen, wenn sie ihre Sprösslinge zu Hause behalten, sei "eine schlimme Sache". "Da müsst Ihr zulegen, wenn Ihr in der Landesregierung seid", sagt Pieper zur Südharzer Landtagswahl-Direktkandidatin Franka Hitzing (FDP). Und die Angesprochene nickt. Selbstverständlich.
Quelle: Thüringer Allgemeine

