Landtagsvizepräsidentin Hitzing zu Podiumsdiskussion in Hermsdorf

Wann hat man schon einmal Gelegenheit, einen Landtagsabgeordneten alles zu fragen, was man will?

 Die Schüler der 9. Klassen der Regelschule Hermsdorf hatten sie gestern.
Hermsdorf2Gast einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Sozialkundeunterrichts war Franka Hitzing


Franka Hitzing , FDP-Landtagsabgeordnete seit 2009, Landtagsvizepräsidentin und Lehrerin. Die 44-Jährige unterrichtet Mathe und Geografie, und das auch trotz Vollzeit-Abgeordnetenjob noch einen Tag pro Woche an ihrer Stammschule, der Regelschule Hainleite in Wolkramshausen.
Das ist eine offene Ganztagsschule, ebenfalls vor einigen Jahren saniert wie die Hermsdorfer Schule, so dass die Nordthüringerin vorab erstmal den Schulleiter Karl-Heinz Maier ausfragte, bevor sie sich dann mit kleiner Verspätung den Fragen der rund 50 Schüler stellte. Und die wollten ziemlich viel wissen. Manchmal waren acht Arme gleichzeitig in der Luft. Einmal sogar fast alle, nämlich als Sozialkundelehrer Matthias Geithe nicht ganz unprovokant fragte: Wer ist dafür, dass Schüler für gute Leistungen mit Geld belohnt werden sollten? Die Idee fand die Abgeordnete übrigens ganz gut (Schreiben Sie das mal auf, wies sie ihren Referenten Gellner an), nur: Woher das Geld nehmen? Vielleicht könnte man Firmen dafür als Paten gewinnen, meinte sie. Am Ende könne das aber höchstens auf Prämien für wenige und für besondere Leistungen hinauslaufen. 
 Schulleiter Karl-Heinz Mayer, Sozialkundelehrer Matthias Geithe.
Die Fragen der Schüler berührten sowohl das Privatleben der Abgeordneten (Haben Sie Kinder? Ja, eine Tochter, 22, Studentin), die Bildung als auch die große Politik. Zum Beispiel: Ist es gerecht, wenn Lehrstellen-Bewerber nur nach Noten bzw. dem Abschluss beurteilt werden? Wonach denn sonst, fragt Hitzing zurück. Sie sprach sich aber auch dagegen aus, dass Hauptschüler schon von vornherein abgelehnt werden. Sie empfahl den Schülern: Macht ein Praktikum in eurem Wunschbetrieb, das ist oft die Eingangstür zu einer Lehrstelle.
Was kann man dagegen tun, dass Thüringen durchschnittlich 52 Einwohner pro Tag verliert? Das Leben so attraktiv machen, dass junge Leute gerne hier bleiben, oder nach der Ausbildung wieder hierher zurück kehren. Fachkräfte werden zunehmend gesucht, Thüringen muss anwerben, so Hitzing, und gute Leute müssen auch gut bezahlt werden.
Angesprochen wurden auch Reizthemen wie der Sinn von Ein-Euro-Jobs, die Klimaerwärmung oder die Forderung, dass, wer arbeitet, mehr bekommen muss als jemand, der aus welchen Gründen auch immer das nicht tut.
Einige Fragen waren nicht leicht zu beantworten, da hätten wahrscheinlich auch andere rumgeeiert. Etwa: Was halten Sie von der Behauptung, dass Politiker viel zu viel Geld für nichts bekommen? (schön indirekt formuliert) Nun, dass sie gar nichts machen, stimmt nicht. Aber sie sind eben nicht produktiv tätig. . .
Die knapp anderthalb Stunden reichten gar nicht. Die übrig gebliebenen Fragen will Matthias Geithe der Abgeordneten jetzt mailen. Der Lehrer hatte noch ein spezielles Anliegen: Mit den Schülern mal in den Landtag fahren, am liebsten, wenn das Plenum tagt. Die Einladung dazu sagte Franka Hitzing
Franka Hitzing gestern fest zu.

Podiumsdiskussion der 9. Klassen der Regelschule Hermsdorf mit der Landtagsvizepräsidentin Franka Hitzing (FDP) 


Quelle: Claudia Bioly / 16.04.10 / OTZ

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