200 Menschen beim Bürgerprotest in Limlingerode
Der Widerstand gegen die nahe Limlingerode geplanten Windräder wächst. Mit einer Protest-Demo startete am Samstag im Dorf zudem eine Unterschriften-Aktion.
Limlingerode. Straßen kreuzen sich direkt vor den Ländlichen Kaffeestuben. Von allen Seiten kommen die Menschen. Der Platz füllt sich in wenigen Minuten. Etwa 200 Südharzer sind es schließlich. Sie alle treibt die Angst vor einer am Bohlweg geplanten Windkraftanlage auf die Straße.
Fünf riesige Räder sollen dort errichtet werden. Mit Rotorblättern, die etwa 200 Meter in den Südharzer Himmel ragen. "Das darf nicht sein", sagen die Dorfbewohner. Und sie protestieren nicht allein. Einige Eichsfelder aus dem benachbarten Stöckey sind ebenso gekommen. Auch Landes- und Kreispolitiker fügen sich in die Reihen der Demonstranten ein.
"Wir sind nicht gegen Windräder", betont Limlingerodes Bürgermeister Günter Gundlach. "Aber gegen den Standort." Dieser ist westlich vom Ort. Bei jedem Sonnenuntergang würde der Windpark einen großen Schlagschatten auf das Dorf werfen. Wenn sich dieser auch noch bewege, sei es unerträglich, befürchten die Bewohner. "Hier wollen nur einige Profit und denken nicht an den Naturschutz", beklagt Günter Gundlach. Er schätzt: Drei Viertel der 270 Limlingeröder sind gegen das Projekt. "Es ist wichtig, dass wir zusammenstehen", sagt Hildigund Neubert von der Bürgerinitiative. In diese Landschaft gehören keine Windräder. Deren Bau müsse man verhindern. Die Natur dürfe hier nicht zerstört werden.
"Auch der Lärm bleibt nicht dort hinten, wo er erzeugt wird", blickt Neubert zum Bohlweg. Dass die Windkraftanlage nur Forschungszwecken dienen soll, erregt die Dorfbewohner zusätzlich: "Wir sind doch keine Versuchskaninchen." Franka Hitzing wohnt nicht weit weg. Vielleicht acht Kilometer Luftlinie, schätzt die Friedrichsthalerin. "Der bürgerliche Ungehorsam ist der einzige Schlüssel zum Erfolg", weiß die FDP-Landtagsabgeordnete. Hitzing ist "vehement dagegen", dass hier nahe des Mackenröder Waldes eine solche Anlage errichtet wird. "Wir haben genügend andere Plätze, wo die Windräder stehen könnten."
Aber nicht hier, wo die Lebensqualität der Menschen derart beeinträchtigt wird. Schockiert über die Pläne zeigt sich auch CDU-Landtagsabgeordneter Egon Primas : "Wie wollen wir Touristen anlocken, wenn wir Windräder zulassen, die unsere Natur verschandeln." Der Obergebraer ärgert sich bereits jetzt jedes Mal, wenn er die "Monsterräder" sieht, die schon bei Günzerode stehen. "Die gehören nicht hierher", blickt Primas in die Südharzer Landschaft. Stattdessen sollte man den Windpark nahe der Mülldeponie in Nentzelsrode ausbauen. "Da gehören sie hin." Auch Gisela Hartmann von den Nordhäuser Bündnisgrünen erklärt sich solidarisch mit der Limlingeröder Initiative.
"Ich habe Angst", sagt Klaus Stolze, "dass hier die Natur zerstört wird." Sein Dorf gehöre zu den schönsten Orten Thüringens. Stolze wäre sehr enttäuscht von der Politik, wenn sie diese Windkraftanlage zulassen würde. Nicht nur die Dorf-Idylle ist gefährdet. Bedroht sind auch Tiere. Vor der Haustür der Limlingeröder brüten Eulen, Rote Milane und Schwarzstörche. Betroffen wären auch Wildkatzen und Fledermäuse.
Jens Feuerriegel / 17.01.11 / TA

