Eichsfelder Wurststifte für die Dänen
Dänischen Besuch hatte am Freitag die Firma Fleisch- und Wurstspezialitäten "Die Thüringer" in Heiligenstadt. Der Attaché der Botschaft des Königreiches, Poul Ottosen, der mit Vertretern der FDP-Landtagsfraktion unterwegs war, erfuhr dabei nicht nur Interessantes über die Eichsfelder Wurst.
Heiligenstadt. Die Dänen und auch Poul Ottosen mögen Wiener Würstchen. Im Königreich werden sie an unzähligen Verkaufswagen an fast jeder Ecke an die Frau und den Mann gebracht. Was es dafür fast nicht mehr gibt, sind kleine Landfleischereien, die hierzulande ihren festen Platz haben, gab der Attaché einen kurzen Überblick über Gegebenheiten seiner Heimat. Geschäftsführer Rainer Wagner hörte genau zu.
Und der gute Würstchenkonsum dürfte ihn freuen, denn Wiener will er jetzt an die Nachbarn verkaufen. Schon heute liefert er Wurststifte aus Heiligenstadt sowie Leber- und Rotwurst in Gläsern vom Firmenstandort Arnstadt nach Dänemark.
Um die Wurst - immerhin stellen "Die Thüringer" im Heilbad 15 verschiedene Sorten her - ging es dann auch beim Rundgang. Wagner zeigte den Gästen, zu denen auch die Vize-Präsidentin des Thüringer Landtages, Franka Hitzing , sowie der FDP-Fraktionsvorsitzende Uwe Barth gehörten, wie aus großen Fleischstücken beispielsweise leckere Feldgieker werden. Pro Tag werden in der Heiligenstädter Firma rund 100 Schweine zu zehn Tonnen Fleisch verarbeitet. Aus 2,5 Tonnen wird Feldgieker. Bevor der jedoch den Betrieb verlässt, muss er mindestens 30 Tage hängen. Neben der Eichsfelder Traditionswurst gibt es noch Stracke, Runde oder verschiedene Salamisorten.
"Im letzten halben Jahr haben wir in eine Reife- und Klimaanlage investiert", sagte Rainer Wagner, dem die in weißen Schutzanzügen steckenden Besucher neugierig folgten. 400 000 Euro wurden investiert. In diesem und im nächsten Jahr soll eine zusätzliche Reifeetage dazu kommen - für 300 000 Euro. Nachdem Poul Ottosen in die Geheimnisse des warmverarbeiteten Gehacktes eingeweiht war und erfahren hatte, dass die Thüringer Bratwurst mindestens 15 Zentimeter lang sein muss und der älteste Nachweis der Spezialität eine Rechnung von 1404 aus dem Kloster Arnstadt ist, lud Rainer Wagner zu einem üppigen Frühstück.
Nun gab's den Praxistest und all das, was vorher beschrieben worden war auf den Teller. Dem Attaché schmeckte es, und er sparte nicht mit Lobesworten für die Firma, die ihre Produkte nicht nur im eigenen Land vertreibt, sondern auch ins nordische Königreich sowie nach Österreich und Spanien exportiert. Der Chef berichtete seinerseits den Liberalen, die mit dem Attaché eine landwirtschaftliche Tour unternahmen, dann davon, dass Skandale der Branche zu schaffen machen. Zudem gebe es heute eine andere Preisentwicklung als vor Jahren und bei Fleisch und Wurst ein anderes Verzehrverhalten. Uwe Barth ließ sich die Gesamtunternehmensentwicklung erläutern und wollte etwas über die Leiharbeit wissen. 15 Mitarbeiter auf Zeit gebe es in der Grillsaison, die nur begleitende Tätigkeiten ausführten, aber wie angestelltes Personal in niedri ger Lohngruppe bezahlt würden, gab Wagner Auskunft.
Interessiert hörten alle auch FDP-Stadtrat Matthias Bollwahn zu, er über den Bau des neuen Kaufland-Fleischwerks informierte, in dem einmal 600 Beschäftigte arbeiten sollen. Dass er sich auf die Wettbewerber einstellen muss, weiß Rainer Wagner. "Wir müssen eben sehen, wo unsere Stärken liegen", meinte er und ließ nicht unerwähnt, dass bei einer so großen Mitarbeiterzahl sicher auch Leute aus vielen anderen Sparten gesucht würden. Gut gestärkt brachen Attaché und Liberale dann in den Bärenpark auf, wo Franka Hitzing für Patenbär Pedro zwei Kisten Obst und Gemüse ablieferte. Weiter gings zur Bäuerlichen AG Breitenworbis und nach Nordhausen zu Nordbrand.

Attache' Poul Ottosen (rechts) erfuhr von Geschäftsführer Rainer Wagner etwas über Feldgieker
Foto: Eckhard Jüngel
Quelle: Sigrid Aschoff / 02.04.11 / Thüringer Allgemeine

