Bildungspolitik in Thüringen

1. Konkrete Maßnahmen zur Verbesserung des Lehrerbildes in der Öffentlichkeit

  • Schule muss sich weiter öffnen und Partner von außen zulassen
  • Eltern mehr in die außerschulischen Aktivitäten einbinden, sodass die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen greifbarer wird (viele Eltern wissen ganz einfach nicht, was es bedeutet mit mehr als dem eigenen Kind im Kontakt zu sein).
  • Mehr gesellschaftliche Akzeptanz wird erreicht, wenn auch die übergeordnete Behörde (Schulamt) den Eindruck vermittelt Entscheidungen von Pädagogen sind nicht in jedem Falle revidierbar durch Elternwille.
  • Schon bei der Zulassung zum Studium für das Lehramt muss eine Art Eignungsprüfung gemacht werden, um herauszufinden ob der/die Betreffende Bewerber für diesen Beruf "passt".
  • Es werden bei weitem nicht die Besten zum Lehramtsstudium zugelassen, oft hat man den Eindruck, dass sich die jungen Leute für den Beruf , als zweite Wahl, entscheiden.
  • Schon an dieser Stelle muss angesetzt werden, um in der Gesellschaft die richtige Wertung des Lehrerberufes zu erreichen.

2. Maßnahmen, um Thüringen für junge Berufsanfänger attraktiver zu machen

  • Die jungen Lehrer brauchen eine Perspektive.
  • Einstellungen nicht nur im Herbst sondern auch im Frühjahr.
  • Bezahlung muss mit den anderen Bundesländern konform gehen.
  • Befristung muss abgeschafft werden.
  • Junge Lehrer, die in anderen Bundesländern bei besserer Bezahlung erst einmal Fuß gefasst haben, werden nicht zurück kommen.
  • Nur der Anreiz wird Thüringen helfen, mehr Lehrer in der Zukunft zu halten.

3. Gymnasium der Zukunft

  • Die gymnasiale Ausbildung soll weiterhin ab Klasse 5 möglich sein für Schüler, die besonders leistungsstark sind und ohne jegliche Empfehlung oder Aufgrund des Elternwunsches den Übergang zum Gymnasium meistern können.
  • Für die Masse der Schüler sollte angestrebt werden zuerst für zwei Jahre die Regelschule zu besuchen.
  • Hier können die "Kleinen" das erhöhte Fächerpensum und die damit verbundenen Anforderungen kennen lernen und dann nach Abschluss der Klasse 6 zum Gymnasium wechseln.
  • Oftmals sind die Kinder noch zu klein, nach der 4. Klasse und die Belastbarkeit der Kinder ist noch nicht voll erkennbar (manche sind eben etwas langsamer in ihrer Entwicklung).

4. Durchlässigkeit zwischen den Schularten

  • Wenn wir uns entscheiden, die Schüler erst nach der 6. Klasse zum Gymnasium wechseln zu lassen, dann sollte die Schullaufbahn recht klar sein.
  • Grundsätzlich muss die Durchlässigkeit gegeben sein, das ist mit einem relativ konform gestaltetem Fächerkanon erreichbar.
  • Ein Übergang zum Gymnasium in höheren Klassen ist immer mit mehr Anstrengung verbunden und wird sich auch  nicht verändern, da das Gymnasium. notwendigerweise höhere Anforderungen stellt und stellen muss.

5. Dritte Phase der Lehrerbildung

  • Grundsätzlich ist eine sehr praxisnahe Ausbildung der Lehrer notwendig.
  • Praktika in allen Phasen des Studiums sollen den zukünftigen Pädagogen helfen, ihren Beruf richtig kennen zu lernen und ihre Berufung zu finden.

6. Welche Maßnahmen werden sie ergreifen, den Beruf „ Lehrkraft an BBS“  für junge Menschen attraktiv zu machen?

Der Beruf des Lehrers ist grundsätzlich attraktiv. Viele junge Leute haben das Ziel Lehrer zu werden, und mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Natürlich ist gerade der Beruf des Berufschullehrers ein sehr anspruchsvoller. Nicht nur die notwendige Sachkompetenz ist hier gefragt, sondern auch der Umgang mit den jungen Leuten auf einem sozial kompetenten Niveau.

Die Belastungen denen ein Lehrer im Bereich der Berufsschulen ausgesetzt sind, sind oftmals grenzwertig und werden nicht entsprechend von der Gesellschaft anerkannt.

Wie für alle Pädagogen in Thüringen gilt, dass Leistung sich lohnen muss. Die Lehrerinnen und Lehrer müssen perspektivisch einen höheren finanziellen Anreiz erhalten, um sich für Thüringen als Arbeitsort zu entscheiden.

Neben der Tatsache, dass in den angrenzenden alten Bundesländern die Bezahlung erheblich attraktiver ist, ist auch die personelle Belastung in unseren Schulen hoch.

Thüringen braucht dringend mehr Lehrer in den Bildungseinrichtungen, um alle Anforderungen an das Bildungssystem zu erfüllen und besonders die Erwartungen der wirtschaft an die Berufsschulen zu befriedigen.

Die Thüringer FDP wird sich dafür einsetzen, den Mangel an Fachpersonal in den Schulen zu beseitigen.

7. Viele Lehrkräfte arbeiten hart an der Belastungsgrenze. Wie wollen sie die belastunegn senken?

Die erwähnten Belastungen können nur durch vermehrte Einstellung von hoch qualifizierten Lehrkräften in den Bildungseinrichtungen erreicht werden.

Nur wenn neben den erfahrenen Pädagogen auch junge und dynamische Pädagogen arbeiten, ergibt sich ein gewinnbringendes Miteinander für alle. Die älteren Kollegen müssen zunehmend entlastet werden, da sie seit Jahren am Leistungslimit arbeiten.

8. Welche grundlegenden Reformen wollen Sie im vorschulischen Bildungsbereich umsetzen, um die erforderlichen Grundlagen für einen erfolgreichen Übergang in die Grundschule sicherzustellen?

Um gerade den Bereich der Frühkindlichen Bildung effizienter zu gestalten müssen folgende Punkte Beachtung finden:

  1. Kinderbetreuung muss als vorschulische Bildung verstanden werden, die Bildungseinrichtungen brauchen weitgehend Autonomie, um ihrem Bildungsauftrag mit einem gefächerten Bildungsangebot gerecht zu werden.
  2. Der Betreuungsschlüssel muss korrigiert werden, da das Betreuungspersonal bei weitem nicht ausreicht.
  3. Der Beruf des Erziehers muss zunehmend durch eine akademische Ausbildung erworben werden.
  4. Mit der Einführung von Betreuungsgutscheinen soll zunehmend der kostenfreie Besuch von Kinderbetreuungseinrichtungen ermöglicht werden.
  5. Um Chancengleichheit am Start in das Schulleben der Kinder zu gewährleisten soll ein verpflichtendes Vorschuljahr eingeführt werden. Nichts ist schlimmer als ein ungleicher Start!

9. Welche Maßnahmen plant ihre Partei, um im Sinne der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Ganztagsangebote in den Schulen zu etablieren?

Unsere gesellschaftliche Entwicklung verlangt nach einer längeren Betreuung unserer Kinder und Jugendlichen im schulischen Umfeld. Hier können sowohl soziale Kompetenzen entwickelt als auch Talente entdeckt und gefördert werden.

Gerade in der Ganztagsschule ist es möglich, den Kindern nicht nur eine Lernumgebung zu bieten, sondern auch eine Lebensumgebung, die sich auf Talente, Interessen und mögliche Förderschwerpunkte konzentriert.

Um Ganztagsschulen erfolgreich werden zu lassen, müssen ausreichend Pädagogen in den Schulen sein, die mit der notwendigen Motivation dem Bildungsauftrag gerecht werden können. Deshalb ist es unerlässlich, dass

  1. mehr junge Pädagogen in den Thüringer Schulen zum Einsatz kommen,
  2. die Schulen weitestgehend eigenverantwortlich arbeiten können, sowohl inhaltlich als auch im materiell- organisatorischen Bereich (Schulbudget, über das selbst bestimmt wird, Auswahlrecht beim Personal),
  3. die Schulen sich untereinander durch inhaltliche Weiterentwicklung dem notwendigen Wettbewerb stellen;  Bei vollständiger Erfüllung des Bildungsauftrages nach den vorgegebenen Rahmenplänen sollen die Schulen in die Lage versetzt werden, ihren eigenen, dem gesellschaftlichen Umfeld angemessenen Angebotsstil zu finden. Der Wettbewerb untereinander fördert die qualitative Steigerung des Angebotes.
  4. neben dem zu vermittelnden Curriculum genügend Freiraum besteht, um die Schüler an das Leben nach der Schule heranzuführen, Berufsvorbereitung im praktischen Bereich wie zum Beispiel über Partnerschaften mit ortsansässigen Firmen erfolgen kann,
  5. als Voraussetzung für funktionierende Ganztagsschulen motiviertes und entsprechend ausgebildetes Personal in ausreichender Anzahl zur Verfügung steht und
  6. das Lehrpersonal gerecht entlohnt wird, um den Diskussionen über die Unterschiedlichkeiten in der Wertigkeit der Pädagogen ein Ende zu setzen.

10. Welche Rahmenbedingungen sollten für die Berufswahlvorbereitung und Berufsausbildung gesetzt werden, um auch künftig die Ausbildungsanstrengungen der Wirtschaft zu unterstützen?

Nur wenn junge Menschen eine qualitativ gute Ausbildung haben, werden sie dauerhaft im Arbeitsleben bestehen können. 

Das duale System hat sich in Deutschland seit Jahrzehnten bewährt. Eine der wichtigsten Stärken besteht in der Verankerung der beruflichen Ausbildung in den Betrieben. Hierdurch sind eine ganzheitliche Betrachtung und ein enges Zusammenwirken von Schule und Betrieben möglich, aber auch nötig. 

  1. Ausbildungsgänge müssen flexibler und modular aufgebaut werden. Dabei sollen in sog. „Grundmodulen“ berufsfeldbreite Kompetenzen, die mehreren Berufen gemeinsam sind, erlernt werden. In den „Kernmodulen“ werden berufstypische Fertigkeiten und Fähigkeiten erlernt, die dann auch die Abgrenzung der Berufe voneinander begründen. Spezialmodule mit Wahlmöglichkeiten sollen branchentypische Geschäftsfelder fassen und Spezialisierungen ermöglichen.
  2. Am Ende jeder Ausbildung muss eine anerkannte Abschlussprüfung stehen. Diese Prüfung soll weiterhin zentral bei den dafür zuständigen Stellen bundeseinheitlich erfolgen.
  3. Das Prinzip des Vollberufs soll beibehalten werden. Dem stehen Modulausbildungsgänge für Qualifikationen unterhalb des Vollberufs nicht entgegen. Die hochwertigen Kompetenzprofile des Facharbeiters/Gesellen und Meisters sollen erhalten werden.
  4. Berufsschulen bilden einen wichtigen Eckpfeiler der beruflichen Ausbildung. Die Ausbildung soll in der Regel im Betrieb erfolgen. Dabei sind überbetriebliche Ausbildungszentren eine Möglichkeit, um Ausbildungsinhalte zu vermitteln, die von kleinen, oft spezialisierten Betrieben nicht abgedeckt werden können.
  5. Förderangebote für Schulabgänger im Übergang in eine berufliche Ausbildung müssen in enger Abstimmung mit dem Berufsausbildungssystem erfolgen. Ziel dieser Fördermaßnahmen muss die Einmündung in eine berufliche Ausbildung sein und darf nicht zu einer „Maßnahmenkarriere“ führen.
  6. Um aber den Interessen der Industrie noch besser gerecht zu werden, sollten die so genannten  „Zweijahresberufe“ fest etabliert und wenn möglich und sinnvoll, noch ausgebaut werden, um Berufseinsteigern mit geringeren schulischen Voraussetzungen auch eine angemessene Ausbildung zu ermöglichen. Andererseits geben diese Berufe den Betrieben die Möglichkeit, Arbeiten und betriebliche Aufgaben mit geringerem Anforderungsniveau in hoher Qualität ausführen zu lassen.
  7. Die berufliche Weiterbildung als lebensbegleitendes Lernen ist eine starke Säule des Bildungssystems. Die betriebliche Weiterbildung soll auch weiterhin staatlich gefördert werden.

11. Welche Maßnahmen plant ihre Partei zur Neuausrichtung des Berufsschulnetzes in Thüringen?

Berufsschulen bilden einen wichtigen Eckpfeiler der beruflichen Ausbildung. Um eine hochqualifizierte und betriebsnahe Ausbildung zu sichern ist es dringend erforderlich, den Mangel an qualifizierten Lehrkräften möglichst schnell zu beseitigen. Der Einstellungsstopp für Berufsschullehrer muss schnell beendet werden. Es ist unter keinen Umständen hinnehmbar, dass solche Fachkräfte in die Nachbarbundesländer  abwandern. Auch sollte Seiteneinsteigern aus der Wirtschaft der Weg in das berufliche Lehramt erleichtert werden, eine entsprechende Eignung ist natürlich Grundvoraussetzung. Dazu gehört in jedem Fall auch eine gerechte  und leistungsorientierte Entlohnung.

Die sehr gute betriebliche Ausbildung im Dualen System muss in den Berufsschulen ihre Fortsetzung finden! Für diese Aufgabe ist hochqualifiziertes Lehrerpersonal notwendig, welches in der Lage ist, in lernortkooperativer Form mit den Ausbildungsbetrieben sowie überbetrieblichen Einrichtungen zusammenzuarbeiten und viel mehr betriebliche Projekte in den Berufsschulunterricht zu übernehmen. Nur auf diese Weise lassen sich die Lehrpläne auf der Basis des Lernfeldunterrichts sinnvoll umsetzen. Diese Forderungen lassen sich durch Änderung der entsprechenden Schulordnungen  sowie einer Neustrukturierung der Berufsschullehrereinstellung durchsetzen. Diese sollte von den Einstellungsbedingungen sowie bei der Berechnung des Lehrerbedarfs von den allgemeinbildenden Schulen abgekoppelt werden. 

Die FDP fordert, dass das Schulnetz in Thüringen so geknüpft wird, dass lange Anfahrtswege und damit höhere Kosten für die Azubi vermieden werden. Dabei sollten die kreisfreien Städte in Thüringen zu besonderen Ausbildungszentren entwickelt werden, um Synergieeffekte durch die an diesen Standorten befindlichen Betriebe zu nutzen. Außerdem bietet dort die verkehrstechnische Infrastruktur häufig bessere Bedingungen für den Schulbesuch dieser Zentren.

12. Mit welchen Förderinstrumenten soll die Weiterbildung als wichtiger Bestandteil der Personalentwicklung in den Unternehmen unterstützt werden?

Aufgrund der demografischen Entwicklung wird in naher Zukunft die Zahl der Erwerbstätigen zurückgehen. Deshalb müssen wir darauf setzen, dass diejenigen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, hoch qualifiziert sind. Berufliche Entwicklungschancen und Perspektiven sowie auch Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe sind in der heutigen Wissensgesellschaft maßgeblich an das Vorhandensein höherer Bildungsabschlüsse und Qualifikationen geknüpft. Es ist daher die gemeinsame Aufgabe von Staat und Gesellschaft, die Weiterbildung zu fördern.
Nach Ansicht der FDP müssen Gewerkschaften wie auch Arbeitgeber bei der Ausgestaltung von Tarifverträgen auf die Einbeziehung von Weiterbildungselementen drängen. Die Politik muss ihrerseits Rahmenbedingungen schaffen, damit die Teilhabe an Weiterbildung möglich wird. Ein gutes Instrument sind in diesem Zusammenhang „Bildungsschecks“. Diese können aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanziert werden. Nach einer Beratung durch zugelassene Beratungsstellen werden diese an Unternehmen oder Beschäftigte ausgegeben, die sich selbständig weiterbilden wollen. 50% der anfallenden Weiterbildungskosten können so bis zu maximal 750 € abgedeckt werden. Dies wird der derzeitigen Situation entgegenwirken, wonach rund 40 % der Unternehmen wegen der Kosten auf Maßnahmen der Weiterbildung verzichten.

Als weitere Maßnahme setzt sich die FDP dafür ein, den Aufbau von privatem Bildungskapital zu fördern. Analog zur Systematik und Logik der Förderung privaten Wohneigentums müssen Maßnahmen ergriffen werden, die die private Vermögensbildung zur Ermöglichung späterer Bildungsinvestitionen fördern.

Aber auch das gesellschaftliche Bewusstsein für die Bedeutung von lebenslangem Lernen und Weiterbildung ist durch wirksame Öffentlichkeitsarbeit (schon im Schulalter!) zu schaffen.

Ein hochwertiges Weiterbildungsangebot ist durch Maßnahmen der Systemakkreditierung (Zertifizierung der Träger) zu sichern. Weiterbildungsangebote sollen auch von den Hochschulen – gerade auch für Akademiker – gemacht werden.

13. Welche grundlegenden Reformen sind nach Auffassung Ihrer Partei im Bereich der Hochschulen notwendig?

Unsere Hochschulen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Zukunftssicherung, indem sie die Wissenschaftlergeneration von morgen heranbilden und ständig einen erheblichen Anteil an neuen Forschungsergebnissen erarbeiten. Hochschulen befinden sich im internationalen Wettbewerb. Mit zentraler Planung und Mittelvergabe sind diese Herausforderungen nicht zu bewältigen. Die Stärkung der Leistungsfähigkeit unserer Universitäten und Hochschulen, die nach wie vor durch chronische Unterfinanzierung, bürokratische Gängelung und ideologische Vorbehalte geschwächt wird, ist daher eine vordringliche politische Aufgabe. Die FDP will deshalb die Hochschulen in Freiheit und Selbstverwaltung entlassen. Die Hochschulen müssen dafür mehr Autonomie in Finanz-, Personal- und Organisationsentscheidungen bekommen. Sie müssen die Möglichkeit erhalten, über andere Finanzierungsformen die Mittel zu akquirieren, die für eine qualitativ hochwertige Lehre notwendig sind. Hierzu soll auch eine Aufstockung der Finanzmittel für die Hochschulen bei langfristiger finanzieller Planungssicherheit beitragen. Zusätzliche Einnahmen der Hochschulen wie z. B. Studienbeiträge müssen möglich sein, dürfen jedoch ausschließlich zur Verbesserung der Lehre und Studienbedingungen eingesetzt werden. Die Erhebung von Studienbeiträgen ist Sache der Hochschulen und Universitäten. Sollten sich diese zu Studienbeiträgen entschließen, wird die FDP klare Auflagen dafür benennen: Studiengebühren dürfen nicht zu sozialer Selektion führen. Deshalb soll eine Obergrenze für Studiengebühren festgelegt werden, die nicht höher als 80 Euro monatlich ist. Die Begleichung dieses Beitrages kann entweder durch nach gelagerte Erhebung (d. h. nach Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit nach dem Studium) oder durch Kreditfinanzierung und Deckelung der Gesamtverbindlichkeiten aus BAföG-Rückzahlung und Kreditbelastung bei maximal 15.000 Euro sichergestellt werden. Die pauschale Verwaltungsgebühr an Thüringer Hochschulen wird im Gegenzug abgeschafft. Die staatliche Finanzierung ist von der Höhe der zusätzlichen Einnahmen unabhängig und darf deshalb nicht gekürzt werden.

Drittmittel für Forschung und Lehre sind ein wesentliches Element des Wettbewerbs zwischen den Hochschulen und eine wichtige zusätzliche Finanzquelle. Die Hochschulen sollen zur Erfüllung ihrer Aufgaben in Forschung und Lehre langfristig eigenes Vermögen bilden. Stiftungsrecht, Erbrecht und Steuerrecht sind so zu verändern, dass es für Privatpersonen und Unternehmen attraktiver wird als bisher, Hochschulen finanziell zu unterstützen. Das Hochschulsponsoring soll nicht durch bürokratische Hemmnisse behindert werden. Die Unternehmen sollen ermutigt werden, Stiftungsprofessuren zu vergeben. Drittmittel und Spenden dürfen nicht auf die Grundausstattung angerechnet werden.

Wir wollen auch, dass zukünftig die Studenten ihre Hochschule und die Hochschulen ihre Studenten selbst auswählen dürfen.

Weiter soll die Kapazitätsverordnung abgeschafft werden. Die FDP will, dass  die Studienkapazitäten entsprechend der Nachfrage ausgebaut und dementsprechend an diesen orientiert werden. Nach dem Prinzip „Geld folgt Student“ sollen im Bereich der Lehre mit Hilfe eines Bildungsgutscheinsystems Hochschulen nach der Anzahl der Studierenden und Absolventen finanziert werden.

Die Entwicklung der Studentenzahlen der nächsten Jahre ist eine große Chance für den Hochschulstandort Thüringen. Mit gezielten Marketingmaßnahmen muss deshalb zusätzlich für ein Studium in Thüringen geworben werden.

Zur Stärkung der Wissenschaft soll ein eigenes Vergütungssystem („Wissenschaftstarif“) für Wissenschaftler an Hochschulen und anderen staatlichen Wissenschaftseinrichtungen geschaffen werden. Außerdem bedarf es einer stärkeren Verzahnung der Forschung zwischen Hochschulen, außeruniversitären Forschungsinstituten und der Industrie.

Das deutsche Bildungssystem leistet sich die Kleinstaaterei! Wir brauchen nicht 16 Bildungssysteme, wir brauchen einheitliche Bildungsstandards und Abschlüsse, damit Menschen gleiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

 

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