Feierliches Gelöbnis in der Henne-Kaserne Erfurt
Gelöbnisrede Erfurt – Franka Hitzing MdL / 2.12.2010
Liebe Rekruten,
sehr geehrter Herr Oberstleutnant Zinsmeister,
Angehörige der Bundeswehr aus Erfurt, Gotha und Bad Frankenhausen,
liebe Eltern und Angehörige,
meine Damen und Herren!
Es ist mir eine besondere Freude und Ehre, dass ich heute zu diesem feierlichen Gelöbnis in meiner Heimatregion - dem Herzen Thüringens – und als Mutter einer Soldatin einige Worte an Sie richten darf.
Persönlich und in meiner Eigenschaft als Vizepräsidentin des Thüringer Landtages möchte ich Ihnen allen, die Sie der Einladung zur Teilnahme an diesem feierlichen Gelöbnis gefolgt sind, ganz herzlich danken, denn durch Ihre Anwesenheit bekunden Sie Ihre Verbundenheit mit unseren Streitkräften.
Unsere Soldaten verdienen diese Rückendeckung und dieses Vertrauen, denn sie schützen den Frieden und die Freiheit unseres Landes.
Feierliche Gelöbnisse in der Öffentlichkeit - auf öffentlichen Plätzen oder in militärischen Bereichen unter Zutritt der Öffentlichkeit, sind ein fester Bestandteil der Kultur unserer demokratischen Verfassung und des Bildes moderner Streitkräfte.
Das feierliche Gelöbnis ist kein Relikt der Vergangenheit, wie manch ein Entrückter behaupten mag.
Es macht vielmehr deutlich: hier stehen Menschen, die heute und in Zukunft unter höchstem persönlichen Engagement für unseren demokratischen Rechtsstaat und unsere Freiheit eintreten.
Damit, liebe Rekruten, brauchen sie sich wahrlich nicht zu verstecken!
Dies sieht auch die überwältigende Mehrheit der Menschen dieses Landes so, denn:
Jährlich finden hunderte von Gelöbnissen statt, rund die Hälfte davon außerhalb von Kasernen, auf den Plätzen unserer Städte und Gemeinden.
Diese erfreuen sich in der Regel großer Zustimmung und Anteilnahme der Bevölkerung. Und, dass das gerade auch hier in Erfurt so ist, das beweisen Sie, liebe Angehörige und Gäste – insbesondere unter dem Stichwort „Gelebte Partnerschaft“ ganz nachdrücklich.
Liebe Rekruten,
im Mittelpunkt der heutigen Gelöbnisfeier stehen Sie.
Der Schutz des Friedens und unserer Freiheit wird heute symbolisch in Ihre Hände gelegt.
Sie werden eine große Verantwortung tragen, so wie vor Ihnen Generationen von Soldaten der Bundeswehr.
Ich möchte deshalb an dieser Stelle auch an all Ihre Vorgänger erinnern, die in Ausübung ihrer Verantwortung bei Übungen, im Einsatz oder auch im täglichen Dienst mit ihren Vorgesetzten zusammen Hervorragendes geleistet haben.
Liebe Rekruten,
Sie werden gleich geloben, das Recht und die Freiheit unseres Volkes tapfer zu verteidigen.
Damit übernehmen auch Sie persönliche Verantwortung für Freiheit, Demokratie und Recht – als Soldaten und als Bürger.
Auf den ersten Blick mögen die in der Gelöbnisformel enthaltenen Werte – Recht und Freiheit – vielleicht als inhaltsleere Formeln erscheinen.
Doch, ich will daran erinnern: viele von uns, viele von Ihnen – den Eltern und Angehörigen aber auch viele unserer Landsleute haben noch Unfreiheit und Unrecht erlebt. Fundamental verändert hat sich dies erst vor 20 Jahren - dem Fall der Mauer also. Dies sollten wir nicht vergessen!
Die wahre Bedeutung von Recht und Freiheit erschließt sich aber ebenfalls schnell, wenn wir über die Grenzen unseres Staates hinausblicken, in Länder und Regionen, wo diese Begriffe keine Selbstverständlichkeit sind oder wo sie gar mit Füßen getreten werden.
Diese Länder sind manchmal gar nicht so weit weg, sondern bedenklich nahe.
Auch wenn wir Deutschen uns seit der Wiedervereinigung sicherer fühlen denn je, so wissen wir aber auch, wir leben nur deshalb in Frieden und Freiheit, weil wir bereit sind, diese auch zu schützen.
„Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit“, sagt ein Sprichwort, und die Männer und Frauen, die heute hier angetreten sind, erbringen diesen Preis durch persönlichen Einsatz.
Ich weiß: Das ist nicht immer angenehm, denn Sie, liebe Rekruten, akzeptieren manche Einschränkungen und Opfer, die mit der Trennung von zuhause anfangen, und die – im äußersten Fall – auch den Einsatz von Waffen zur Verteidigung von Frieden und Freiheit bedeuten kann.
Die Bundeswehr - und damit Sie - sorgen dafür, dass unser Land vor jeder direkten Bedrohung geschützt bleibt.
Sie hält allein durch ihre Existenz Krisen von uns fern, eine Funktion, die in Zeiten des großen Wohlstandes häufig nicht wahrgenommen und leider auch zu wenig anerkannt wird.
Sie hilft Menschen in Not, hier in Deutschland, in Europa, Afrika und Asien.
Es sind gerade auch länger verpflichtete Soldaten Ihrer Bataillone, die sich diesen harten, aber auch erfahrungsreichen Aufgaben immer wieder stellen:
In Afghanistan, in Bosnien, im Kosovo und an vielen anderen Einsatzorten weltweit, wo Sie immer wieder in Auslandseinsätze eingebunden waren und dies auch weiterhin sein werden.
An dieser Stelle möchte ich jedoch nochmals deutlich machen, weil es hier immer wieder zu Missverständnissen kommt, dass Grundwehrdienstleistende nicht an Einsätzen außerhalb Deutschlands oder der NATO teilnehmen, es sei denn sie melden sich ausdrücklich freiwillig und sind somit besonders ausgebildet. Dazu ist jedoch eine längere Dienstzeit als zur Zeit 6 Monate erforderlich.
Liebe Rekruten,
Noch ein weiterer Umstand wird Ihren Dienst hier interessant und fordernd machen:
Im Anschluss an Ihre 3-monatige allgemeine Grundausbildung zum Wach- und Sicherungssoldaten werden Sie in Ihren Stammeinheiten noch eine, für Ihre Truppengattung spezifische Ausbildung absolvieren.
Dieser Hinweis auf Ihre Leistungen, mag Ihnen helfen, wenn Sie sich Kritik oder Klischees zu Ihrem Dienst ausgesetzt sehen sollten.
Ich sage Ihnen: Der Dienst bei der Bundeswehr ist ganz, konkret Dienst am Menschen er ist Friedensdienst.
Der Frieden für Deutschland und für Europa muss permanent gesichert werden.
Deswegen ist auch Ihr Beitrag, - der Beitrag der Grundwehrdienstleistenden und der Zeit- und Berufssoldaten - von enormer Bedeutung für die Landes- und Bündnisverteidigung.
Wir brauchen eine einsatzbereite Bundeswehr, wir brauchen auch perspektivisch freiwillig Längerdienende, Zeit- und Berufssoldaten, zivile Mitarbeiter und Reservisten: Aus Ihnen erwächst das Aufwuchspotenzial der Bundeswehr im Bündnis - unsere Rückversicherung gegen die Wechselfälle der Geschichte.
Soldaten aller Dienstgrade, Aktive, Reservisten und zivile
Mitarbeiter,
zur Bewältigung der Aufgaben, die ich hier nur kurz anreißen konnte, werden Sie ausgebildet.
Der Erfolg dieser Ausbildung wird aber auch von der Fähigkeit der Ausbilder und Vorgesetzten abhängen, die Soldaten zu motivieren, ihnen den Sinn ihres Auftrages überzeugend zu vermitteln und ihnen ein gutes Vorbild zu sein.
Dies ist ebenfalls eine schwierige Herausforderung, die täglich bewältigt werden muss.
Es ist die Aufgabe der Politik, also auch meine, dass die Rahmenbedingungen für Ihren Beruf stimmen: Durch klare Aufträge, eine angemessene, ordentliche Bezahlung, modernes, einsatztaugliches Material und durch reformierte Strukturen unserer Streitkräfte.
Meine Damen und Herren,
die Bundeswehr genießt höchstes Ansehen in unserem Lande, wie viele, aktuelle Umfragen belegen.
Dies kommt nicht von ungefähr, sondern ist die täglich verdiente Anerkennung für große Leistungen.
Sie, die Ihren Wehrdienst ableisten, tragen dazu ganz erheblich bei.
Dass Sie, liebe Rekruten, Ihrer Wehrpflicht nachkommen, bedeutet einen ganz erheblichen Einschnitt in Ihre Lebensplanung, aber es kann auch eine Herausforderung, eine Chance bedeuten.
Nehmen Sie diese Herausforderung und Chance ‚Bundeswehr‘ an und leisten Sie Ihren Beitrag im Bewusstsein, dass Sie Ihren Dienst nicht für einen Vorgesetzten erledigen, nicht für ein abstraktes Gebilde, sondern für die Menschen, die Sie mögen, Ihre Familie, Ihre Freunde, Kollegen und Nachbarn.
Sie gehören zu den jungen Menschen in unserem Land, auf die sich die anderen verlassen, die es uns allen ermöglichen, in Frieden und Freiheit zu leben.
Wir alle bauen auf Sie und vertrauen Ihnen.
Ich bin mir sehr sicher, dass Sie während Ihrer Dienstzeit die bereichernde Erfahrung echter Kameradschaft und Menschlichkeit machen.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihren Wehrdienst als sinnvolle Zeit und als wichtigen und wertvollen Dienst für unsere freiheitliche Demokratie erleben.
Ich wünsche Ihnen Gesundheit, Soldatenglück und nicht zuletzt ein kräftiges ‚’Horrido - Joho!‘.

